Tiefer, immer tiefer
Viele Menschen glauben, Mut bedeute, gegen ein Monster zu kämpfen.
Ich glaube, Mut beginnt viel früher.
Mut beginnt in dem Augenblick, in dem man den letzten Sonnenstrahl hinter sich lässt und trotzdem weitergeht.
Von allen Orten, die ich auf meinen Reisen gesehen habe, gibt es nur wenige, die mich so beeindruckt haben wie die Tiefen unter Bothilds Folly. Nicht wegen der Schätze. Nicht wegen der Legenden. Sondern wegen ihres Alters.
Dort unten hatte man das Gefühl, als würde die Welt sich erinnern.
Jeder Stein war älter als die Königreiche an der Oberfläche. Jeder Tunnel war von Händen geschaffen worden, deren Namen längst vergessen waren. Und je tiefer wir kamen, desto kleiner erschien mir alles, was ich bis dahin für wichtig gehalten hatte.
Selbst ich wurde dort unten ungewöhnlich still.
Nun gut.
Zumindest ungewöhnlich still für meine Verhältnisse.
Dieses Lied erzählt von unserem Abstieg in die alten Zwergenhallen. Von den verlassenen Städten unter den Bergen. Von den Geistern der Vergangenheit. Von den schwarzen Seen, in denen sich kein Stern mehr spiegelte.
Und von der seltsamen Gewissheit, die uns alle irgendwann erfasste:
Dass dort unten etwas auf uns wartete.
Nicht böse.
Nicht feindselig.
Sondern alt.
Unvorstellbar alt.
Je tiefer wir stiegen, desto stärker wurde dieses Gefühl.
Und als wir schließlich Königin Bothild begegneten, verstand ich warum.
Manche Orte bewahren Erinnerungen.
Manche Orte bewahren Geheimnisse.
Und manche Orte warten tausend Jahre darauf, dass jemand den Mut hat, die letzte Treppe hinabzusteigen.
[INTRO]
Ein Schritt.
Noch ein Schritt.
Und wieder einer.
Hinab.
Immer tiefer.
[STROPHE 1]
Die Sonne blieb weit hinter ihnen, als sie die ersten Stufen nahmen. Das Licht wurde kleiner mit jedem Schritt, bis nur noch Fackeln übrig waren.
Vorbei an Schächten, vorbei an Brücken, vorbei an Rädern aus altem Stahl.
Und jeder Stein erzählte leise von einem längst vergessenen Zeitalter.
[VOR-REFRAIN]
Die Luft wurde kälter.
Die Schatten länger.
Der Weg wurde enger.
Und niemand sprach.
[REFRAIN]
Tiefer!
Immer tiefer!
Hinab durch Stein und Dunkelheit!
Tiefer!
Immer tiefer!
Fort von Sternen, fort vom Licht!
Schritt für Schritt.
Stockwerk für Stockwerk.
Bis die Welt über ihnen verschwindet.
[STROPHE 2]
Sie fanden Hallen groß wie Burgen, getragen von gewaltigem Gestein. Silberadern zogen durch die Wände wie gefrorener Sternenschein.
Verlassene Schmieden.
Verlassene Tempel.
Verlassene Throne voller Staub.
Und auf den Böden lagen Helme, die seit Jahrhunderten niemand aufhob.
[REFRAIN]
Tiefer!
Immer tiefer!
Hinab durch Stein und Dunkelheit!
Tiefer!
Immer tiefer!
Fort von Sternen, fort vom Licht!
Schritt für Schritt.
Stockwerk für Stockwerk.
Bis die Welt über ihnen verschwindet.
[STROPHE 3]
Dann kam das Wasser.
Erst ein Rinnsal.
Dann ein Strom.
Dann ganze Seen.
Schwarz und still wie flüssige Nacht, durch die blinde Fische ziehen.
Aus der Ferne hörte man Ketten.
Oder war es nur der Wind?
Manchmal glaubte selbst Freddy, dass ihnen jemand folgte.
[VOR-REFRAIN]
Doch immer wenn sie sich umdrehten, war dort nur Dunkelheit.
[ÜBERGANG]
Dann sahen sie die Geister.
Nicht drohend.
Nicht voller Zorn.
Sie wanderten schweigend durch die Hallen.
Bergleute.
Handwerker.
Könige.
Verloren zwischen gestern und heute.
Und alle blickten
in dieselbe Richtung.
Nach unten.
Immer weiter nach unten.
[FINALER REFRAIN]
Tiefer!
Immer tiefer!
Hinab durch Stein und Dunkelheit!
Tiefer!
Immer tiefer!
Fort von Sternen, fort vom Licht!
Schritt für Schritt.
Stockwerk für Stockwerk.
Bis selbst die Fackeln kleiner werden.
Tiefer!
Immer tiefer!
Bis die Legenden Wirklichkeit sind!
[AUSKLANG]
Am Ende des Weges wartete eine Halle aus Sternenstahl.
Und auf einem vergessenen Thron saß die Königin Bothild.
Sie hatte tausend Jahre gewartet.
Und sie wusste bereits, warum die Helden gekommen waren.